Einfach nur nachlässig ... VII


Der Tagesspiegel-Artikel "Neuköllner „K-Fetisch“ reagiert auf Antisemitismus-Vorwurf"[1] handelt von dem Rauswurf eines Paares aus einem Café.

Das Paar reagierte auf die Vorwürfe der Inhaber:

Das Paar widersprach den Vorwürfe. [Hervorhebung durch den Verfasser]

Quelle:

  1. https://www.tagesspiegel.de/berlin/neukollner-bar-k-fetisch-reagiert-auf-antisemitismus-vorwurfe-falafel-shirt-sei-kulturell-anstossig-14643062.html, Abruf: 23. Oktober 2025, 17:35 Uhr

Tote sammeln nicht


Der Spiegel titelt wie folgt:

Hunderttausende Euro für Familie von getötetem Polizisten gesammelt[1]

Was sagt uns der Autor mit diesem Satz?

Wir analysieren den Satz und gehen dabei vom Prädikat, das hier "[wurde] ... gesammelt" lautet, aus und fragen uns durch:

Von wem wurden hunderttausende Euro gesammelt? – "von [dem] getötetem Polizisten"

Er sagt, daß der getötete Polizist hunderttausende Euro gesammelt hatte. Was der Autor sagen wollte, ist, daß für die Familie des getöteten Polizisten hunderttausende Euro gesammelt wurden. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Quelle:

  1. https://www.spiegel.de/panorama/justiz/tod-von-simon-b-hunderttausende-euro-fuer-familie-von-getoetetem-polizisten-gesammelt-a-161e1c6d-8ac1-44b0-bbdc-3e19c113c638, Abruf: 24. August 2025, 21:55 Uhr

Zwei Täter – kein Opfer


Der Spiegel titelt wie folgt:

18-Jähriger soll Polizist erschossen haben[1]

"18-Jähriger" steht, wie die Deklinationstabelle[2] zeigt, im Nominativ.

Kasus Singular Plural
Nominativ 18-Jähriger 18-Jährige
Genitiv 18-Jährigen 18-Jähriger
Dativ 18-Jährigem 18-Jährigen
Akkusativ 18-Jährigen 18-Jährige

"Polizist" steht, wie die Deklinationstabelle[3] zeigt, im Nominativ.

Kasus Singular Plural
Nominativ der Polizist die Polizisten
Genitiv des Polizisten der Polizisten
Dativ dem Polizisten den Polizisten
Akkusativ den Polizisten die Polizisten

Was der Autor also sagt, ist, daß sowohl der 18-Jährige als auch der Polizist jemanden erschossen haben sollen, wobei dieser Jemand in dem Titel nicht genannt wird.

Was der Autor sagen wollte, ist, daß der 18-Jährige einen Polizisten erschossen haben soll.

Damit müßte der Titel wie folgt lauten:

18-Jähriger soll Polizisten erschossen haben

Quellen:

  1. https://www.spiegel.de/panorama/voelklingen-im-saarland-18-jaehriger-soll-polizisten-erschossen-haben-a-87185e97-f495-48b6-a914-21a3bf054119, Abruf: 22. August 2025, 14:22 Uhr
  2. vgl. https://deutsch.lingolia.com/de/grammatik/adjektive/deklination, Abruf: 22. August 2025, 14:30 Uhr
  3. https://www.duden.de/deklination/substantive/Polizist, Abruf: 22. August 2025, 14:26 Uhr

Keine Reise in die Vergangenheit


Die Zeit titelt wie folgt:

Cottbus gedenkt Bombardierung durch US-Armee vor 80 Jahren[1]

Was sagt uns der Autor mit diesem Satz?

Wir analysieren den Satz und gehen dabei vom Prädikat, das hier "gedenkt" lautet, aus und fragen uns durch:

Wer gedenkt? – "Cottbus"
Wessen gedenkt Cottbus? – "[der] Bombardierung"
Wodurch gedenkt Cottbus? – "durch [die] US-Armee"
Wann gedenkt Cottbus? – "vor 80 Jahren"

Das kann nicht richtig sein: Cottbus ist eine Stadt. Städte können nicht gedenken. Wie wird durch die US-Armee gedacht? Das Gedenken fand auch nicht vor 80 Jahren statt, sondern heute. Vor 80 Jahren wurde Cottbus bombadiert. Außerdem passen Zeitform ("gedenkt" steht im Präsens) und Zeitangabe ("vor 80 Jahren") nicht zusammen.

Es ist also nicht ganz klar, was und der Autor sagen will. Vielleicht bringt der erste Satz des ersten Absatzes etwas Licht ins Dunkel:

Mit Glockengeläut, Zeitzeugenberichten und Musik gedenken Menschen in Cottbus den Opfern des Bombenangriffs auf die Stadt vor 80 Jahren.

Wir analysieren den Satz und gehen dabei vom Prädikat, das hier "gedenken" lautet, aus und fragen uns durch:

Wer gedenkt? – "Menschen"
Wessen gedenken Menschen? – "den Opfern"
Wo gedenken Menschen? – "in Cottbus"
Womit gedenken Menschen? – "mit Glockengeläut, Zeitzeugenberichten und Musik"
Worauf gedenken Menschen? – "auf die Stadt"
Wann gedenken Menschen? – "vor 80 Jahren"

Es ist nicht mehr Cottbus – Cottbus wird rich­ti­ger­wei­se als Ort des Geschehens genannt –, das gedenkt. Es sind nunmehr Menschen. Wer sollte es denn sonst sein?

Diese Menschen gedenken den Opfern. Das machen sie natürlich nicht. Sie gedenken der Opfer. So kann man das übrigens dem Duden entnehmen[2].

Das Zeitproblem des Titels besteht fort.

Daß die Menschen auf die Stadt gedenken, ergibt keinen Sinn.

Der erste Satz des ersten Absatzes bringt somit kein Licht ins Dunkel.

Was der Autor sicherlich sagen wollte, ist, daß man in Cottbus mit Glockengeläut, Zeitzeugenberichten und Musik der Opfer des Bombenangriffs, der die Stadt vor 80 Jahren traf, gedenkt.

Es lohnt sich nicht, den Artikel weiterzulesen. Der zweite Satz des ersten Absatzes beginnt folgendermaßen:

Bei einer zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Altmarkt sollen [...]

Wie man sieht, folgt der Satzbau nicht den Regeln der deutschen Sprache.

Quellen:

  1. https://www.zeit.de/news/2025-02/15/cottbus-gedenkt-bombardierung-durch-us-armee-vor-80-jahren, Abruf: 15. Februar 2025, 14:08 Uhr
  2. https://www.duden.de/rechtschreibung/gedenken, Abruf: 15. Februar 2025, 14:10 Uhr