Von 2004 bis 2015 sind nicht zwanzig Jahre


Im Spiegel-Artikel "Die CIA hat offenbar Milliarden behandelter Mohnsamen über Afghanistan abgeworfen, um den Opiumanbau zu sabotieren"[1] wird die Dauer der Mission thematisiert:

Zwanzig Jahre lang haben die USA Krieg gegen die Taliban in Afghanistan geführt. Kampfjets haben Raketen abgeworfen, Artilleristen Geschütze abgefeuert – und Agenten der CIA Milliarden Mohnsamen von Flugzeugen aus über dem Hindukusch abgeworfen. [Hervorhebung durch den Verfasser]

Der Anfang des ersten Absatzes ist so formuliert worden, daß der Eindruck entsteht, daß zwanzig Jahre lang Mohnsamen über Afghanistan abgeworfen wurden.

Im dritten Absatz werden dann der Beginn und das Ende der Mission genannt:

Die Geheimmission startete demnach im Frühjahr 2004 und endete wohl erst 2015. [Hervorhebung durch den Verfasser]

Es sind nur rund elf Jahre.

Ferner ist die Aussage, daß die Mohnsamen über dem Hindukusch abgeworfen wurden, falsch. Der Hindukusch ist ein Gebirge, das in Afghanistan, Pakistan und der Volksrebulik China liegt[2]. Diese Aussage ist auch nicht der "Washington Post", die der Spiegel als Quelle nennt, zu entnehmen. Dort werden folgende Abwurforte genannt:

The airdrops took place over the Afghan provinces of Nangahar and Helmand, centers of poppy cultivation, they said.[3] [Hervorhebung durch den Verfasser]

Schließlich startete die Mission auch nicht im Frühjahr, sondern im Herbst:

The airdrops of modified poppy seeds began in the autumn[4] of 2004, three people familiar with the program said.[3] [Hervorhebung durch den Verfasser]

Quelle:

  1. https://www.spiegel.de/ausland/afghanistan-cia-hat-opium-anbau-offenbar-mit-abwurf-von-milliarden-mohnsamen-sabotiert-ueber-jahrzehnte-a-64abaf3d-9116-48e0-96b7-411a74353cab, Abruf: 13. November 2025, 00:09 Uhr
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Hindukusch, Abruf: 13. November 2025, 00:17 Uhr
  3. https://www.washingtonpost.com/national-security/2025/11/12/cia-afghanistan-heroin-poppy-seeds/, Abruf: 13. November 2025, 00:13 Uhr
  4. https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung-2/englisch-deutsch/autumn, Abruf: 13. November 2025, 00:22 Uhr

Nicht als junge Schauspielerin


Der Spiegel titelt wie folgt:

Denise Richards berichtet von sexueller Belästigung als junge Schauspielerin[1]

Was sagt uns der Autor mit diesem Satz?

Wir analysieren den Satz und gehen dabei vom Prädikat, das hier "berichtet" lautet, aus und fragen uns durch:

Als was berichtet Denise Richards? – "als junge Schauspielerin"

Er sagt, daß Denise Richards von sexuellen Belästungen berichtet und daß sie dieses tat, als sie eine junge Schauspielerin war. Was der Autor sagen wollte, ist, daß Denise Richards davon berichtet, als junge Schauspielerin sexuell belästigt worden zu sein. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Quelle:

  1. https://www.spiegel.de/panorama/leute/metoo-in-hollywood-denise-richards-spricht-ueber-sexuelle-belaestigung-a-099f901f-8ac9-4158-8eae-47ecf25f2b90, Abruf: 24. Februar 2025, 09:43 Uhr

Keine Reise in die Vergangenheit


Die Zeit titelt wie folgt:

Cottbus gedenkt Bombardierung durch US-Armee vor 80 Jahren[1]

Was sagt uns der Autor mit diesem Satz?

Wir analysieren den Satz und gehen dabei vom Prädikat, das hier "gedenkt" lautet, aus und fragen uns durch:

Wer gedenkt? – "Cottbus"
Wessen gedenkt Cottbus? – "[der] Bombardierung"
Wodurch gedenkt Cottbus? – "durch [die] US-Armee"
Wann gedenkt Cottbus? – "vor 80 Jahren"

Das kann nicht richtig sein: Cottbus ist eine Stadt. Städte können nicht gedenken. Wie wird durch die US-Armee gedacht? Das Gedenken fand auch nicht vor 80 Jahren statt, sondern heute. Vor 80 Jahren wurde Cottbus bombadiert. Außerdem passen Zeitform ("gedenkt" steht im Präsens) und Zeitangabe ("vor 80 Jahren") nicht zusammen.

Es ist also nicht ganz klar, was und der Autor sagen will. Vielleicht bringt der erste Satz des ersten Absatzes etwas Licht ins Dunkel:

Mit Glockengeläut, Zeitzeugenberichten und Musik gedenken Menschen in Cottbus den Opfern des Bombenangriffs auf die Stadt vor 80 Jahren.

Wir analysieren den Satz und gehen dabei vom Prädikat, das hier "gedenken" lautet, aus und fragen uns durch:

Wer gedenkt? – "Menschen"
Wessen gedenken Menschen? – "den Opfern"
Wo gedenken Menschen? – "in Cottbus"
Womit gedenken Menschen? – "mit Glockengeläut, Zeitzeugenberichten und Musik"
Worauf gedenken Menschen? – "auf die Stadt"
Wann gedenken Menschen? – "vor 80 Jahren"

Es ist nicht mehr Cottbus – Cottbus wird rich­ti­ger­wei­se als Ort des Geschehens genannt –, das gedenkt. Es sind nunmehr Menschen. Wer sollte es denn sonst sein?

Diese Menschen gedenken den Opfern. Das machen sie natürlich nicht. Sie gedenken der Opfer. So kann man das übrigens dem Duden entnehmen[2].

Das Zeitproblem des Titels besteht fort.

Daß die Menschen auf die Stadt gedenken, ergibt keinen Sinn.

Der erste Satz des ersten Absatzes bringt somit kein Licht ins Dunkel.

Was der Autor sicherlich sagen wollte, ist, daß man in Cottbus mit Glockengeläut, Zeitzeugenberichten und Musik der Opfer des Bombenangriffs, der die Stadt vor 80 Jahren traf, gedenkt.

Es lohnt sich nicht, den Artikel weiterzulesen. Der zweite Satz des ersten Absatzes beginnt folgendermaßen:

Bei einer zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Altmarkt sollen [...]

Wie man sieht, folgt der Satzbau nicht den Regeln der deutschen Sprache.

Quellen:

  1. https://www.zeit.de/news/2025-02/15/cottbus-gedenkt-bombardierung-durch-us-armee-vor-80-jahren, Abruf: 15. Februar 2025, 14:08 Uhr
  2. https://www.duden.de/rechtschreibung/gedenken, Abruf: 15. Februar 2025, 14:10 Uhr

Vor oder nach der Wahl


Der Spiegel titelt wie folgt:

Scholz warnt vor schwarz-blauer Mehrheit nach der Wahl[1]

Es stellt sich die Frage, wann die Warnung erfolgte.

Wir analysieren den Satz und gehen dabei vom Prädikat, das hier "warnt" lautet, aus und fragen uns durch:

Wann warnt Scholz? – "nach der Wahl"

Da hat der Autor wohl etwas falsch verstanden. Scholz warnt nicht nach der Wahl, sondern jetzt, daß es nach der Wahl eine schwarz-blaue Mehrheit geben könne.

  1. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/olaf-scholz-warnt-vor-schwarz-blauer-mehrheit-nach-der-wahl-a-3968378a-2717-4b35-8871-24fef6161872, Abruf: 28. Januar 2025, 21:25 Uhr

Vor 60 Jahren


Im Spiegel-Artikel "US-Präsident ordnet endgültige Freigabe von Dokumenten zu Morden an den Kennedys und Martin Luther King an"[1] berichtet der Autor, daß Trump die Freigabe der Dokumente anordnete:

US-Präsident Donald Trump hat die Freigabe der letzten unter Geheimhaltung stehenden Dokumente über die Ermordung des damaligen US-Staatschefs John F. Kennedy vor sechs Jahrzehnten angeordnet.

Es stellt sich die Frage, wann die Anordnung erfolgte.

Wir analysieren den Satz und gehen dabei vom Prädikat, das hier "hat ... angeordnet" lautet, aus und fragen uns durch:

Wann hat Trump die Freigabe angeordnet? – "vor sechs Jahrzehnten"

Daß Trump die Freigabe vor sechs Jahrzehnten angeordnet hat, ist falsch. Wie man übrigens dem Artikel entnehmen kann, erfolgte sie am Donnerstag. Das war der 23. Januar 2025.

»Das ist eine große Sache, was? Viele Menschen haben seit Jahren, seit Jahrzehnten darauf gewartet«, sagte Trump am Donnerstag, als er ein entsprechendes Dekret unterzeichnete.

Quelle:

  1. https://www.spiegel.de/ausland/donald-trump-ordnet-freigabe-von-dokumenten-zu-ermordungen-der-kennedys-und-martin-luther-king-an-a-a8670de1-a0c4-4b1e-83c2-e1eadfd0cac7, Abruf: 26. Januar 2025, 10:49 Uhr